Reisephilosophie

Hier geht es um alles, was uns auf der Reise beschäftigt, auffällt und wie Reisen verändert. 

Schießwütigkeit - oder die einzige Möglichkeit in Marokko streunenden Hunde her zu werden?

 Dakhla, 13. Februar 2019

 

Da sind wir nun – seit zwei Tagen stehen wir an einem wunderschönen Strand in der Nähe von Dakhla. Und gestern Abend war gleich schon helle Aufregung. Eine Nachbarin kam ganz aufgeregt vorbei und informierte uns, dass die Armee freilaufende Hunde erschießen wird. Wir sollen auf unseren Hund aufpassen und ihn immer anleinen.

 

Mal ganz davon abgesehen, dass unser Bootsmann sowieso immer angeleint ist, weil der alte Herr  altersbedingt einfach nicht mehr so gut hört (wobei ich ihn manchmal im Verdacht habe, dass er sich absichtlich taub stellt. Der Schlawiner!). hat uns das Thema doch sehr aufgewühlt. Unsere fünfjährige Tochter hat den ganzen Abend davon gesprochen, dass bald die Männer mit den Gewehren kommen und die Hunde erschießen. Wie schrecklich. Aber ich habe auch sehr unruhig geschlafen, immer mit einem Ohr nach draußen lauschend, ob etwas passiert.

Meine besondere Sorge gilt vier Welpen – drei süße Schwarze und ein Schäferhundmix, sog. Beldis – wie marokkanische Straßenhunde genannt werden. Wir sind im Zwiespalt – und überlegen, ob wir sie in Sicherheit bringen und bei uns aufnehmen sollen. Einerseits die Sorge. Und andererseits könnten sie bei diesem engen Kontakt Parasiten auf unseren Hund oder auch die Kinder übertragen. Ganz von der „Revierverteidigung“ die unser Bootsmann an den Tag legen würde. Wir lassen es. Und heute morgen große Erleichterung als ich die Vier hier noch rumtoben sehe.

Doch das Thema beschäftigt mich. Wie wird hier im Land „der offenen Türen“ mit Hunden umgegangen? Gibt es Lösungen? Und wenn ja welche? Oder eine ausweglose Situation? Immerhin zählt das Mahgrebland ca. 2 Millionen streunende Hunde – etwas 200.000 werden Jahr für Jahr eliminiert. Aus Angst vor der Tollwut.

Bekanntermaßen werden Hunde in Marokko nicht gerade geschätzt. Viele Menschen haben Angst vor ihnen. Da Hunde laut Koran als unrein gelten, werden sie nicht – wie wir es kennen – als Haustiere gehalten. Allenfalls als Hüte-, Wach- oder Jagdhunde. Der Hund hat hier einen anderen Stellenwert – er hat eine Aufgabe zu erfüllen. Wenn man also Marokko mit einem Hund bereist, sollte man sich der großen Aufmerksamkeit (negativ sowie positiv) bewusst sein. Immer mehr stellen wir aber auch fest, dass sich das Bild wandelt, einige Marokkaner – gerade Jüngere – haben auch selbst Hunde. Oder das ganz andere Bild, dass viele von sich und unserem Hund ein Bild machen wollen – als Mutprobe.

Das Thema Erschießung von Hunden ist nichts Neues in Marokko. Im April 2018 gab es zur Tötung von Straßenhunden in Agadir große Berichte. Im Zuge eines angekündigten Besuches der FIFA für die Bewerbung zur Fußball WM 2026 wollte die Stadt Agadir ein gutes Bild abgeben und veranlasste hierfür die Tötung von Straßenhunden. Mir fehlten die Worte, als ich das las und wieder male Entsetzen, wozu wir Menschen fähig sind.

Doch es geht auch anders. Im Zuge meiner Recherchen bin ich auf den Tierschutzverein Le Coeur sur la Patte gestoßen. Dieser Verein wurde von der Schweizerin Michèle Augsburger, die in Agadir lebt, ins Leben gerufen. Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass im August 2016 ein Vertrag zwischen der Stadt Agadir und der Le Coeur sur la Patte geschlossen wurde, der dem Martyrium der Straßenhunde in Agadir ein Ende setzen soll. Das Konzept ist einfach: Ziel ist es die „Jäger“, die bisher die Hunde mit Flinte und Strychnin gejagt haben, umzuschulen. Und konsequent die Tiere zu impfen und zu sterilisieren. Ähnliche Konzepte gibt es übrigens mittlerweile auch noch in anderen marokkanischen Städten.

Doch wäre da nicht die Theorie und Praxis. Gelder sind wohl dafür vorhanden, doch zu wenige Tierärzte – nur zwei von vier Ärzten aus Agadir (Stand 2016) sind in das Projekt involviert. Somit ein Tropfen auf den heißen Stein. Wenn man genügend Ärzte hätte, könnte man die Streunerpopulation durch Sterilisation nachhaltig reduzieren.

Und leider sieht die Realität immer noch anders aus. Bis zu 300 streunende Hunde werden nach wie vor in Agadir Monat für Monat vergiftet. Das ist nach wie vor die billigste Variante. Und leider auch die qualvollste.

Trotz des Engagements und Lösungsvorschläge ist es daher ein zartes „Pflänzlein“ das weiter gepflegt werden will. Denn es ist noch ein langer Weg, bis sich das Bewußtsein der Bevölkerung verändert. Gut, dass es Menschen wie Michèle und andere gibt, die sich mit ihren Projekten engagieren und mittlerweile immer mehr Gehör finden. Denn jedes Lebewesen verdient Leben und Respekt. Und in dem alle an einem Strang ziehen, kann sicherlich noch einiges bewegt werden.

Ein schwieriges Thema und ich befürchte auch noch ein langer Weg! Möchtet ihr auch helfen, dann könnt ihr dies hier tun.


Kommentare: 1
  • #1

    Peter Galuschka (Sonntag, 18 August 2019 20:41)

    Habe Euch gerade in Buchenberg gesehen. Wirklich ein Traumfahrzeug!

    Lg

    Peter Galuschka


 

Orangenmarmelade  - was sonst

 Dakhla, 15. Februar 2019

 

Was macht man so den lieben langen Tag am Strand von Dakhla? Ganz klar Orangenmarmelade einkochen.  

Wir hatten uns auf dem Weg hierher hinreißen lassen und einen 20 kg Sack Orangen gekauft – zum Essen. Doch das ist ein Phänomen meiner Familie – tagelang vorher haben sie Orangen gegessen und dann hat man dieses wieder nachgekauft, weil es ja jeder essen möchte. Schlagartig isst es auf einmal keiner mehr in meiner Familie. Dies ist schon öfter passiert. Planungstechnisch eine Katastrophe  entweder ist nichts da oder zu viel.

Jedenfalls reichte es mir nach 3 kg Orangen, die ich allein gegessen habe, auch davon.

Also was tun? Unsere Marmeladenvorräte waren sowieso gerade zu Ende, jede Menge leerer Gläser da, also naheliegend, doch mal eben Orangenmarmelade am Strand von Dakhla einzukochen.

Gesagt getan. Orangen gewaschen, Schalen abgeschnitten und das Fruchtfleisch püriert. Dazu dann noch kleingeschnittene Orangenschale, Zucker und Pektin (hatte ich tatsächlich noch vorrätig) beigefügt und vor sich hin köcheln lassen. Schade, dass ihr den herrlichen fruchtigen Duft nicht riechen könnt. Einfach köstlich! Das Wasser ist mir da schon im Mund zusammengelaufen.

Und was soll ich sagen – es sind 9 Gläser Orangenmarmelade dabei herausgekommen. Ich bin ganz stolz drauf, denn ich habe mir für unsere Reise vorgenommen, wenn möglich Marmelade aus den Früchten vor Ort zu kochen. Bin schon gespannt auf die Kombinationen, die so entstehen. Kreativität wird hier wieder freigesetzt. Ich liebe das.

Mmmh, und für morgen freue ich mich erst einmal auf’s Frühstück mit Orangenmarmelade.